Ein Darmkrebs-Selbsttest für zu Hause ist meist ein immunologischer Stuhltest (iFOBT). Er findet die meisten blutenden Darmkrebs-Tumoren, aber nicht alle, und er kann auch anschlagen, wenn kein Krebs vorliegt. Hier erfahren Sie, was Sensitivität und Spezifität bedeuten, wie genau solche Tests laut Studien und Herstellerangaben sind und wie Sie Fehler bei der Anwendung vermeiden.
- Immunologische Stuhltests erkennen laut einer großen Übersichtsarbeit im Mittel etwa 79 % der Darmkrebsfälle, bei einer Spezifität von 94 %.
- Für den PreventID® CC nennt der Hersteller eine Sensitivität von 75 % und eine Spezifität von 99 %.
- Ein positives Ergebnis ist keine Diagnose, ein negatives keine Garantie. Regelmäßig testen und Beschwerden immer ärztlich abklären lassen.
Sensitivität und Spezifität: Was die Zahlen bedeuten
Die Genauigkeit eines Tests wird mit zwei Werten beschrieben:
- Sensitivität: Wie viele der Menschen mit Erkrankung (oder mit Blut im Stuhl) erkennt der Test als positiv? Eine Sensitivität von 80 % bedeutet: Etwa 8 von 10 Betroffenen werden erkannt, 2 von 10 nicht.
- Spezifität: Wie viele der Menschen ohne Erkrankung erkennt der Test korrekt als negativ? Eine Spezifität von 95 % bedeutet: Bei etwa 5 von 100 gesunden Menschen zeigt der Test trotzdem ein positives Ergebnis.
Kein Stuhltest erreicht 100 % bei beiden Werten. Darum ist ein Selbsttest ein Hinweis-Test und keine Diagnose.
Wie genau sind immunologische Stuhltests laut Studien?
Eine große Übersichtsarbeit mit 19 Studien (Lee und Kollegen, Annals of Internal Medicine, 2014) fand für immunologische Stuhltests im Mittel eine Sensitivität von 79 % und eine Spezifität von 94 % für Darmkrebs.
Für Darmpolypen und andere Krebsvorstufen ist die Sensitivität deutlich niedriger, weil Polypen oft gar nicht oder nur zeitweise bluten. Genau deshalb sollte ein Stuhltest regelmäßig wiederholt werden, und genau deshalb ist die Darmspiegelung die genauere Untersuchung: Sie findet auch Polypen, die nicht bluten, und kann sie direkt entfernen.
Wie genau ist der PreventID® CC laut Hersteller?
Für den PreventID® CC nennt die Gebrauchsinformation der Preventis GmbH folgende Werte:
- Nachweisgrenze: menschliches Blut ab 50 ng/ml
- Klinische Sensitivität: 75 % (im Vergleich mit der Darmspiegelung)
- Klinische Spezifität: 99 % (im Vergleich mit der Darmspiegelung)
- Keine Störung durch Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Brokkoli oder Vitamin C
Das heißt: Der Test erkennt etwa drei von vier positiven Fällen, und ein positives Ergebnis bei Menschen ohne Blut im Stuhl ist selten. Mehr zum Test lesen Sie im Ratgeber Preventis PreventID® CC.
Falsch positiv: Wann der Test anschlägt, obwohl kein Krebs vorliegt
Ein positiver Stuhltest zeigt nur, dass Blut im Stuhl gefunden wurde. Das Blut kann viele Ursachen haben, zum Beispiel:
- Hämorrhoiden oder ein Riss am After (Analfissur)
- Menstruation (laut Hersteller nicht während und bis 3 Tage nach der Periode testen)
- starkes Zahnfleischbluten
- Entzündungen im Darm oder Magen-Darm-Reizungen, etwa durch Alkohol oder bestimmte Medikamente
- Blut im Urin, wenn Urin in die Probe gelangt
Ein positives Ergebnis ist also kein Krebsbefund, muss aber immer ärztlich abgeklärt werden. Was Sie dann konkret tun, lesen Sie unter Stuhltest positiv – was tun?
Falsch negativ: Warum ein negatives Ergebnis keine Garantie ist
Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass in dieser Probe kein Blut gefunden wurde. Es schließt Darmkrebs oder Polypen aber nicht sicher aus, weil:
- Tumoren und Polypen nicht immer bluten,
- Blut ungleichmäßig im Stuhl verteilt sein kann und die Probe es nicht erfasst,
- die Probe falsch entnommen oder der Test zu früh oder zu spät abgelesen wurde.
Haben Sie Beschwerden wie sichtbares Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten oder ungewollten Gewichtsverlust, gehen Sie auch bei einem negativen Test zur Ärztin oder zum Arzt. Mehr dazu unter Darmkrebs Symptome.
So wird Ihr Testergebnis so genau wie möglich
- Die Gebrauchsanweisung vor dem Test vollständig lesen.
- Den Stuhl mit dem Stuhlfänger auffangen, damit er nicht mit Wasser, Urin oder WC-Reiniger in Kontakt kommt.
- Mit dem Probenstab an mehreren Stellen in den Stuhl stechen, wie in der Anleitung beschrieben.
- Das Ergebnis genau zur angegebenen Zeit ablesen, beim PreventID® CC nach 10 Minuten.
- Auch eine schwache Testlinie gilt laut Hersteller als positiv.
- Ist keine Kontrolllinie zu sehen, ist der Test ungültig und muss mit einem neuen Test wiederholt werden.
- Den Test regelmäßig wiederholen, der Hersteller empfiehlt einmal im Jahr.
Selbsttest oder Stuhltest beim Arzt?
Im gesetzlichen Früherkennungsprogramm ab 50 Jahren bekommen Sie den immunologischen Stuhltest kostenlos in der Arztpraxis. Er wird im Labor quantitativ ausgewertet. Ein Schnelltest für zu Hause zeigt das Ergebnis dagegen sofort als Linie an. Er kann sinnvoll sein, wenn Sie zwischen den Vorsorgeterminen oder schon vor dem 50. Lebensjahr testen möchten. Welche Untersuchungen die Krankenkasse zahlt, lesen Sie unter Darmkrebsvorsorge: Was zahlt die Krankenkasse? Einen Vergleich der Verfahren finden Sie unter iFOBT oder Darmspiegelung?
Häufige Fragen
Wie zuverlässig ist ein Darmkrebs-Selbsttest?
Immunologische Stuhltests erkennen laut einer Übersichtsarbeit im Mittel etwa 79 % der Darmkrebsfälle bei einer Spezifität von 94 %. Für den PreventID® CC nennt der Hersteller eine Sensitivität von 75 % und eine Spezifität von 99 %.
Kann ein Stuhltest falsch positiv sein?
Ja. Blut aus Hämorrhoiden, der Periode, dem Zahnfleisch oder einer Entzündung kann den Test positiv machen. Ein positives Ergebnis muss deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Kann ein Stuhltest Darmkrebs übersehen?
Ja. Tumoren und Polypen bluten nicht immer. Darum wird der Test regelmäßig wiederholt, und bei Beschwerden sollten Sie auch nach einem negativen Ergebnis ärztlichen Rat einholen.
Ist ein Selbsttest so gut wie eine Darmspiegelung?
Nein. Die Darmspiegelung ist genauer, findet auch nicht blutende Polypen und kann sie gleich entfernen. Ein Stuhltest ist einfacher, ersetzt die Darmspiegelung aber nicht.
Wie oft sollte ich einen Stuhltest machen?
Der Hersteller des PreventID® CC empfiehlt, den Test einmal im Jahr zu machen, weil Polypen oft nur zeitweise bluten.
Quellen
- Lee JK, Liles EG, Bent S, Levin TR, Corley DA: Accuracy of fecal immunochemical tests for colorectal cancer: systematic review and meta-analysis. Annals of Internal Medicine 2014: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4189821/
- Preventis GmbH: Gebrauchsinformation PreventID® CC (Stand Juli 2018)
- Krebsinformationsdienst (DKFZ): Darmkrebs-Früherkennung: https://www.krebsinformationsdienst.de/darmkrebs/frueherkennung
Medizinischer Hinweis: Ein Selbsttest ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei einem auffälligen Ergebnis oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.